Von Ribadesella nach Priesca
Wetter: Den ganzen Tag gab es einen strahlend blauer Himmel und Sonnenschein. Morgens war es frisch, nachmittags (eigentlich) zu heiss zum Laufen. Aber, was will man machen…

Als ich heute Morgen meine Tagesetappe am Strand von Ribadesella begann, konnte man den Sonnenaufgang schon erahnen. Ein zauberhaftes Licht lag über allem; tiefen Frieden habe ich empfunden. In meinem heutigen Bild habe ich versucht, diese Stimmung einzufangen.
Heute bin ich lange mit drei Australiern gelaufen, zwei Männer und eine Frau. Freunde in Australien, haben sie dort zusammen beschlossen, nach Spanien zu fliegen, um den Küstenweg zu laufen. Auch diese drei sind wie viele, die hier unterwegs sind, vorher schon auf anderen Jakobswegen gelaufen.
Die zwei Männer sind beide Koch von Beruf, die Frau ist Serviererin. Da ich selber gern koche, haben ich mir erklären lassen, wie Kochen unter Zeitdruck und für viele Menschen funktioniert. Viel Interessantes habe ich dabei erfahren.
Der Jakobsweg verlief bis mittags entlang der Küste, es ging wieder Hügel hoch und Hügel runter. Nach einem Mittagessen in einer Strandbar ging es dann wieder ins Inland, mit langen Anstiegen und steilen Abstiegen, oft wieder auf dem Seitenstreifen von zum Glück nur wenig befahrenen Strassen. Die Sonne brannte unbarmherzig vom Himmel und das Laufen wurde mühsam.
In einem winzigen Dorf, bestehend aus einer Kirche und wenigen Häusern, stand ich plötzlich vor einer Pilgerherberge, die in meinem Wanderführer nicht beschrieben wird. Im grossen Garten mit Gemüsebeeten und Obstbäumen standen verstreut Stühle um Tische, aber auch einzelne Liegestühle. Das hell gestrichene Haus mit grossen Fenstern machte ein sehr einladenden Eindruck. An dem konnte ich einfach nicht vorbeigehen.
Eine Herbergsmutter hat mich ausgesprochen freundlich empfangen und mir ein Bett in einem hellen 6-Bett-Zimmer zugeteilt, das ich mit nur mit 2 Pilgerschwestern teile. Im Ort gibt es weder einen Laden noch ein Restaurant. In der Selbstkoch-Küche der Herberge hat es einen grossen Vorratsschrank und einen Kühlschrank mit Lebensmitteln, von denen man sich nehmen kann. Einer der australischen Köche hat beschlossen zu kochen und u.a auch mich zum Essen eingeladen. Und so ‚musste‘ ich nur duschen und meine schmutzige Wäsche in einen Korb werfen. Die Herbergsmutter hat sie gewaschen und draussen in der Sonne aufgehängt hat.
Nach erledigen meiner Pflichten (siehe oben :-)) habe ich mir eine grosse Tasse Pfefferminztee gekocht und mich (frisch geduscht und wieder gut riechend :-)) in der Sonne von der heutigen Etappe erholt.
Bis zum Abendessen hat sich die Herberge zu etwa 3/4 gefüllt. Eine internationale, sehr friedliche und gut gelaunte Gruppe von Menschen verbringt hier die Nacht. Bei interessanten Gesprächen ist es draussen dunkel geworden. Gegen 22:30 Uhr lagen die meisten in ihrem Schlafsack und schliefen. Die morgige Etappe beginnt wieder im ersten Tageslicht. Manche werden nur 15 bis 20 km laufen, andere 30 km oder mehr. Und so wird in der nächsten Pilgerherberge eine Gruppe mit einer anderen Zusammensetzung die Nacht verbringen.