20. September 2018 – Tag 22

Von Gijón nach Avilés  

Wetter: Viel Sonne, gelegentlich ein paar Wolken, angenehme Temperatur zum Laufen

Meine heutige, etwa 25 km lange Wanderung, lässt sich grob dreiteilen: in den Weg aus der Stadt Gijón, in den Weg in die Stadt Avilés, und in den Weg dazwischen. Die ersten beiden Wege waren zu grossen Teilen einfach nur schrecklich. Sie führten durch Industrievororte, an Industrieruinen und Müllbergen vorbei, verlief auf Wegen direkt neben der Autobahn und auf den Seitenstreifen von viel befahrenen Strassen. Sie waren sehr laut und stinkig. 

Der Weg dazwischen führte durch wunderbare Natur: Eukalyptuswälder, landwirtschaftlich genutzte Gebiete. Wiesen und Weiden mit vielen braunen Kühen. Die Kirchen am Weg waren leider alle vergeschlossen. 

In Avilés übernachte ich in der Städtischen Pilgerherberge. Die besteht aus einem grossen Raum mit etwa 25 Doppelstockbetten. Der Raum hat zwei Türen und ein kleines Fenster; die Betten sind jetzt gegen 22 Uhr fast alle belegt. Bleiben heute Nacht die zwei Türen offen? Ich weiss es nicht und lass mich überraschen.

Die Altstadt von Avilés ist ausgesprochen hübsch, mit einem tollen, vielbenutztem Stadtpark und einem futuristisch anmutendem Kulturzentrum. Ich habe in einem Restaurant in der Nähe der Herberge mit Pilgerbrüdern und -schwestern zu Abend gegessen (heute wieder das dreigängige Pilgermenu). Das war sehr unterhaltsam und lecker.

Ich nehme an, dass sich die Eine oder der Andere beim Lesen meines heutigen Berichts fragt: Und das ist nun der Küsten-Jakobsweg, von dem so Viele schwärmen? Ja, das ist er, ein Symbol für das Leben mit guten und nicht so guten Seiten. Das Beste waren heute übrigens die wunderbaren Gespräche, die ich über den Tag verteilt mit Pilgerbrüdern und -schwestern hatte, die (wie ich) alle dem gleichen Ziel entgegenstreben – Santiago de Compostela – und die – wie ich – sich von den Widrigkeiten des Weges nicht allzu sehr beeindrucken lassen. 

Das Kulturzentrum ‚Centro Niemeyer‘ in Avilés

Das Kulturzentrum ‚Centro Niemeyer‘ wurde 2006 vom Brasilianer Oscar Niemeyer entworfen, einem der bedeutendsten südamerikanischen Architekten der Moderne. Oscar Niemeyer definierte diesen Komplex als „einen allen Männern und Frauen der Welt offen stehenden Raum, eine grosse Theaterloge über dem Fluss Astar und der Altstadt von Avilés, einem Ort für Bildung, Kultur und Frieden“. Dieser einzigartige Baukomplex besteht aus einen Auditorium, einer Kuppel, einem Turm, einem Mehrzweckgebäude und einem Platz, und somit aus fünf unabhängigen und sich gleichzeitig ergänzenden Teilen.