21. September 2018 – Tag 23

Von Avilés nach El Pitu  

Wetter: Den grössten Teil des Tages war der Himmel blau und die Sonne gab ihr Bestes. Erst am späteren Nachmittag zogen Wolken auf und es wurde kühler 

Heute berichte ich aus dem Leben eines glücklichen Pilgers: 

Letzte Nacht in der Pilgerherberge von Avilés waren wir fast 50 Menschen in einem Raum mit 2 Türen und nur einem kleinen Fenster. Die Tür gleich in der Nähe meines Betts ist die ganze Nacht offen gewesen und ich habe gut geschlafen. Auch die Schnarcherei hielt sich in Grenzen. 

Im Dämmerlicht – es war gegen 7 Uhr morgens – habe ich meine Sachen gepackt und die Tagesetappe gestartet. Nach nur wenigen Minuten stand ich vor einer geöffneten Café-Bar. Ganz klar, dieses Geschenk habe ich gern akzeptiert und ich habe dort gefrühstückt. Es gab ein knuspriges Brötchen mit Schinken und einen grossen Milchkaffee. Was für ein wunderbarer Start in den Tag! 

Durch den Stadtpark ging es dann, und weiter auf dem Seitenstreifen einer Fernstrasse aus der Stadt heraus. Ein paar Mal konnte ich an Kreuzungen keinen Wegweiser finden; jedes Mal tauchte jemand auf, der mir weiterhalf. Auf schönen Naturwegen ging es lange Zeit nach Westen. Im nächsten grösseren Dorf war es Zeit für einen nächsten Kaffee und einen Happen zu essen. In einer Café-Bar im Zentrum bekam ich zu meinem Milchkaffee ein Stück Kuchen serviert. Ich weiss nicht, mir was der gefüllt war, aber geschmeckt hat er ausgesprochen lecker.

Die nächsten Stunden bin ich die meiste Zeit auf Asphalt nach Westen getippelt. Nur ein portugiesischer Pilger ist mir begegnet, der mir mit leuchtenden Augen von seiner Wanderung rund um Europa erzählt hat. In der Café-Bar im nächsten grösseren Ort – es war späte Mittagszeit – bin ich auf eine Gruppe Pilger gestossen, denen ich schon seit Tagen immer wieder begegne. Noch einer Runde ‚Hallos‘ habe ich mich dazugesetzt und ein leckeres Sandwich gegessen. 

Nach dem Essen habe ich beschlossen, noch bis zur nächsten Herberge zu laufen, um dort die heutige Etappe zu beenden. Dort angekommen, fand ich weder den Ort der Herberge noch die Herberge selbst attraktiv. Ich entschloss spontan, noch eine Stunde bis zur nächsten Herberge weiter zu laufen. 

Die nächste Herberge hat nur 8 Betten und mir war klar, dass die Möglichkeit bestand, dass die schon belegt waren. Nach einer Wanderung durch einen schönen Naturwald – mein heutiges Bild zeigt ihn – bekam ich von der netten Herbergsmutter ein Bett zugeteilt; nur 4 von den 8 waren schon belegt. Könnt ihr euch vorstellen, wie glücklich mich das gemacht hat?

Dichter Naturwald auf dem Weg nach El Pitu

Die 8 Betten stehen in zwei geräumigen, hellen Zimmern. Aus der Dusche mit einem riesigen Brausekopf kommen Unmengen von heissem Wasser. Was für paradiesische Zustände! 

Nach Duschen und Wäschewaschen habe ich eine Runde um die Kirche gemacht, die für ein solch’ kleines Dorf ungewöhnlich gross (und eingezäunt) ist. Zu meinem Glück haben gerade zwei Gärtner Bäume neben der Kirche geschnitten; die haben mich durch ein Tor in den Kirchgarten gelassen. Eine Putzfrau, die in der Kirche tätig war, hat mir dann noch gestattet, die Kirche zu besichtigen.

Wow, heute werden mir wirklich viele Wünsche erfüllt! 

Jetzt sitze ich in Garten der Restaurant-Bar, der einzigen weit und breit, und schreibe diesen Text. Der Koch macht noch bis 19 Uhr Siesta, und so sitze ich nun vor einem grossen Glas Mineralwasser mit Eis und Zitrone, einem Glas Rotwein, und ein paar Schnittchen mit scharfer Wurst. Ich wollte eigentlich ein paar Oliven, aber die machen auch Siesta. Als Ersatz hat mir der Wirt die Tapas rübergeschoben. Auch nicht schlecht. 

Ein spanischer Pilger, den ich schon seit längerem kenne, hat sich inzwischen zu mir gesetzt. Jetzt warte wir gemeinsam auf den Koch… 

Ich grüsse euch glücklich vom Jakobsweg, Arnd