22. September 2018 – Tag 24

Von El Pitu nach Santa Marina  

Wetter: Ein grauer Tag mit tief hängenden Wolken und gelegentlichem Nieselregen. Es ist immer noch recht warm

Aus dem Leben eines glücklichen Pilgers (Fortsetzung): 

Ich habe das Zimmer in der kleinen Pilgerherberge von El Pitu mit Hubert aus Tirol und José aus Spanien geteilt und beide haben nicht geschnarcht 🙂 

Unterwegs mit leerem Magen bei wunderschönem Morgenrot

Frühstück gab es in der Herberge nicht. Jeder ist für sich mit eigenem Laufrhythmus und mit leerem Magen bei einem wunderschönen Morgenrot zur Tagesetappe aufgebrochen. Zum Glück habe ich als ‚Eiserne Reserve‘ Studentenfutter, das mich in kleinen Portionen zusammen mit Wasser über die grünen Hügel getragen hat. 

Mein Frühstück bekam ich gegen halb 11 in der ersten, offenen Café-Bar, an der ich vorbeigekommen bin. Ein knuspriges Brötchen mit Rührei, ein dickes Stück Kuchen, ein Milchkaffee und eine grosse Tasse heisse Milch haben meinen Tag gerettet. Das war wunderbar! Wenn nur der Fernseher in der Bar nicht so laut gewesen wäre… 

Der Himmel war inzwischen dunkelgrau und die Wolken hingen mir fast auf dem Kopf. Bald fing es an zu nieseln. Ich habe versucht, mich mit meinem Schirm zu schützen, aber die Nässe kam von überall. Es ging weiter mit ‚Hügel hoch und Hügel runter’. Rechts von mir konnte ich im Dunst gelegentlich das Meer erahnen, links versteckten sich die Berge in Wolken. 

In einem kleinen Dorf mit Restaurant-Bar und Pension – es war inzwischen Nachmittag geworden – wurde auf einem Plakat mit Sonderkonditionen für Pilger Reklame gemacht. Ich habe mir die erklären lassen und daraufhin spontan beschlossen, hier zu bleiben. Eine ausgesprochen nette Pensionsmama/Wirtin/Köchin hat mich in mein Einzelzimmer mit Frühstück für 15 Euro geführt. Ein Dreigang-Menu für 9 Euro einschliesslich Getränke gibt es heute Abend. 

Die Wirtin hat mich dann gefragt, ob ich jetzt schon etwas essen möchte und ich habe mir einen Teller Suppe gewünscht. Kurze Zeit später stand eine Terrine mit köstlichster Fischsuppe auf dem Tisch, aus dem ich mir schöpfen konnte, soviel ich wollte. Kaltes Wasser zum Trinken brachte sie noch, und zum Abschluss eine Stück süsse Melone. 

Das Meer kann ich von der Pension sehen, aber laufen werde ich bis dahin heute nicht mehr. Die morgige Etappe geht knapp 30 km immer an der Küste entlang. Jetzt lege ich meine Füsse hoch und geniesse mit Suppe im Bauch das ‚Pilgern im Glück‘. 

Ich schicke liebe Grüsse, Arnd 

PS. Wie viele Pilger hier zur Zeit unterwegs sind, weiss ich nicht. In der gestrigen Herberge waren wir nur zu viert. In der Pension hier bin ich (noch) allein. 

Vor einigen Tagen bin ich am Abzweig zum Camino Primitivo vorbeigekommen, eine weitere Querverbindung nach Santiago de Compostela, die gern gelaufen wird. Seitdem ich dort vorbei bin, ist es auf dem Küstenweg merklich ruhiger geworden.